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J. Tetsch / P. Tetsch
Zahnärztliche
Implantate
Ein Ratgeber für Patienten
5. überarbeitete Auflage
Das Risiko einer Einpflanzung ist sehr gering, wenn eine gründliche Voruntersuchung und eine sorgfältige Planung durchgeführt wurden. Von besonderer Bedeutung ist dies in bestimmten Kieferregionen, in denen die Gefahr besteht, dass wichtige Strukturen verletzt werden.
Im Unterkiefer verläuft im Seitenzahnbereich in einem Knochenkanal ein Nerv zusammen mit Blutgefäßen. Er sorgt für das Gefühl in dieser Kieferregion und in der Hälfte der Unterlippe. Bei schmerzhaften zahnärztlichen Behandlungen wird er durch eine Spritze betäubt. Bei einer Verletzung dieses Nervs durch eine Einpflanzung würde dieses Taubheitsgefühl länger oder sogar dauernd bestehen. Daher darf nur der Knochen über dem Nerv für die Einpflanzung genutzt werden, es sei denn der Nerv wird aus seinem Kanal heraus präpariert und verlegt. Auf das genaue Vermessen wurde in dem Abschnitt „Voruntersuchung“ eingegangen. Wenn bei stärkerem Knochenabbau hier nicht genug Knochengewebe vorhanden ist, sind umfangreiche Maßnahmen notwendig.
Im vorderen Kieferabschnitt des Unterkiefers verlaufen keine wichtigen Strukturen, sodass hier in der Regel ohne Risiko implantiert werden kann, wenn die Kieferhöhe und –breite ausreichend ausgedehnt sind.
Auf die besonderen Schwierigkeiten des Oberkiefers wurde bereits mehrfach hingewiesen. Hier setzen die Ausdehnung der Kieferhöhlen und die Nachbarschaft zur Nasenhöhle einer Implantation natürliche Grenzen. Eine künstliche Zahnwurzel sollte nicht in diese Höhlen hineinragen, da dort keine Stabilität erzielt werden kann und das Risiko einer Nebenhöhlenentzündung besteht. Mit Hilfe neu entwickelter Operationsverfahren (Sinuslift, Sinusbodenelevation, Knochenaugmentation, PRP-Verfahren) lassen sich auch in dieser schwierigen Region gute Resultate erzielen.
Auch die Knochenstruktur ist im Oberkiefer weniger gut geeignet, da sie sehr porös ist und festere Bestandteile nur als dünne Außenschicht vorhanden sind. Daher werden in der Regel umfangreichere Voruntersuchungen notwendig (Computertomogramm). Als eine Möglichkeit den Knochen zu verbessern kann mit speziellen Instrumenten ein sehr weicher Knochen verdichtet werden (Knochenkondensationsverfahren). Die Einheilphase sollte im Gegensatz zum Unterkiefer verlängert sein.
Nach einer sorgfältigen Voruntersuchung wird der Zahnarzt die möglichen Risiken individuell abschätzen und den Patienten darüber aufklären. Die Entscheidung, ob eine Implantation gefahrlos durchgeführt werden kann, muss in jedem Einzelfall getroffen werden.
In der Einheilungsphase treten nur selten Komplikationen auf. Wundschwellungen, geringe Wundschmerzen und manchmal auch Verfärbungen durch Hämatome sind je nach Umfang des Eingriffs ähnlich einer Wurzelspitzenresektion oder einer Zahnentfernung bei einer Implantation möglich. Kühlpacks, Schmerzmittel und Antibiotika werden entsprechend vom Behandler rezeptiert.
In manchen Fällen wachsen die Implantate nicht an. Die Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig bekannt. Dies kommt bei Rauchern häufiger vor als bei Nichtrauchern. Einige Patienten mit Stoffwechselerkrankungen (z. B. Zuckerkrankheit) haben ebenfalls eine höhere Verlustquote in der Einheilphase. Manchmal sind Verluste aber auch auf ein falsches Verhalten des Patienten zurückzuführen, der sich nicht an die Empfehlungen oder Anweisungen des Zahnarztes gehalten hat. Komplikationen nach der prothetischen Versorgung sind meistens auf eine unzureichende Mundhygiene und auf Vernachlässigung der Kontrolltermine zurückzuführen.
In seltenen Fällen können auch Allgemeinerkrankungen, die erst nach der Implantation aufgetreten sind, zu Problemen an den Implantaten führen. So mussten bei einem Patienten die Pfeiler entfernt werden, weil im Zusammenhang mit einer schweren Zuckerkrankheit Entzündungen aufgetreten waren.
Nach einem Implantatverlust entstehen für den Patienten keine Nachteile, wenn die heute gebräuchlichen sehr grazilen Implantate verwendet wurden. Hier entsteht nur ein kleiner Knochendefekt, der ähnlich wie nach einer Zahnentfernung ausheilt. In vielen Fällen kann in dieser Region eine weitere Einpflanzung durchgeführt werden. Es empfiehlt sich aber, die Ausheilung der Knochenwunde abzuwarten. Das dauert – je nach Umfang des Defektes – zwischen 3 und 12 Monaten.
Entsprechend der Zahnbetterkrankung (Parodontitis) gibt es bei den Implantaten die Periimplantitis. Diese Erkrankung kann in der Funktionsphase auch nach Jahren zu Implantatverlusten führen. Die Periimplantitis hat ihre Ursache in speziellen Keimen, die sich auf dem Boden von Belägen vermehren können. Eine Periimplantitis kann durch gute Mundhygiene und regelmässige professionelle Zahnreinigungen verhindert werden. Sollte eine Periimplantitis manifest bestehen, wird zunächst versucht, durch Reinigung, Desinfektion und Einsatz spezieller Medikamente die akute Phase zu beherrschen, bevor man ein langfristiges Konzept entwickelt. Wenn der Knochen stark befallen ist, kann eine Entfernung des Implantates notwendig werden, damit der Knochen nicht weiter abgebaut wird. So erhält man sich die Möglichkeit einer erneuten Implantation. Auf dem Gebiet der Periimplantitis wird viel experimentiert. Sauerstofftherapien, Ozon- und Laserbehandlungen zeigen jedoch noch nicht den gewünschten Erfolg.
Ein wichtiger Punkt ist die Zufriedenheit der Patienten. Während in den Anfängen der Implantologie das Einheilen des Implantates als Erfolg gewertet wurde, ist heute der Erfolg dann erreicht, wenn die Patienten zufrieden sind. Wir unterscheiden heute die funktionelle von der ästhetischen Implantologie. Bei der funktionellen Implantologie werden Implantate gesetzt, auf denen ein Zahnersatz befestigt wird, damit die Patienten wieder kauen können, ohne dass der Zahnersatz im Mund „schwimmt“. Der Patient möchte mit seinen „Kauwerkzeugen“ richtig gut essen können.
Bei der ästhetischen Implantologie werden Zähne im sichtbaren Bereich ersetzt. Häufig handelt es sich um einzelne oder mehrere Frontzähne im Oberkiefer.. Hierbei sollte das Ergebnis dem natürlichen Zahn in Form, Farbe und Zahnfleischverlauf so ähnlich wie möglich sein. Im Idealfall kann ein Laie und manchmal auch ein Profi das Zahnimplantat von einem natürlichen Zahn nicht unterscheiden, Um dieses Ergebnis zu erzielen, sind in einigen Fällen viele Eingriffe notwendig, die Knochenaufbaumaßnahmen, die Implantation, Freilegungstechniken und Zahnfleischkorrekturen mit Bindegewebe umfassen können. Auch nach der Eingliederung der Krone hat man noch Möglichkeiten die Ästhetik zu perfektionieren, wenn z. B. der Zahnfleischverlauf noch nicht dem des Nachbarzahnes entspricht. Neben den zahnärztlichen Leistungen müssen auch die zahntechnischen Leistungen erwähnt werden. Nur ein gutes Labor ist in der Lage eine perfekte Krone mit den individuellen Besonderheiten anzufertigen. Die heutigen, neuen Materialien wie Vollkeramik und Zirkonoxyd spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Frau W. war mit ihrer Familie in den Weihnachtsferien in Tschechien, um Freunde zu besuchen. Sie bemerkte am zweiten Weihnachtstag, dass sich der Steg im Unterkiefer gelockert hatte und die Prothese nicht mehr so gut hielt. Sie war sehr beunruhigt und stellte selbst fest, dass sich zwei kleine Schrauben gelöst hatten. Sie suchte einen befreundeten Zahnarzt auf. Dieser versuchte, die Schrauben wieder festzuziehen. Da ihm die geeigneten Instrumente fehlten, gelang ihm dies aber nicht richtig. Nach ihrer Rückkehr konnte ihr Zahnarzt die Sache schnell in Ordnung bringen. Der Vorfall zeigt aber, dass bei Auslandsreisen Schwierigkeiten auftreten können, wenn sich die Zahnärzte dort mit den neuen Verfahren nicht auskennen. Es empfiehlt sich daher, vor einer solchen Reise den Hauszahnarzt aufzusuchen und noch einmal alles nachsehen zu lassen.
Vor Urlaubsreisen ins Ausland und bei längeren Auslandsaufenthalten ist eine Untersuchung der Implantate sehr zu empfehlen!!
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