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J. Tetsch / P. Tetsch
Zahnärztliche
Implantate
Ein Ratgeber für Patienten
5. überarbeitete Auflage
Vor jeder Einpflanzung muss eine genaue Anamnese (Krankengeschichte) erhoben werden, in der nach Allgemeinerkrankungen und der speziellen zahnärztlichen Vorgeschichte gefragt wird. Sehr hilfreich ist es, wenn der Patient seinem Zahnarzt Unterlagen, Medikamente, eventuell auch vorhandene Röntgenaufnahmen vorlegen kann (siehe Anamnese-Erhebungsbogen).

Abb. 5.1:
Planungsmodell mit angefertigter Planungsschablone
Die zahnärztliche Untersuchung umfasst die Beurteilung der gesamten Mundhöhle, der Schleimhaut, der Zähne und der Kieferknochen. Wenn eine Einpflanzung in Erwägung gezogen wird, muss eine Röntgenmessaufnahme angefertigt werden. Dazu wird nach einem Kieferabdruck eine Planungsschablone hergestellt, in die Metallkörper (Kugeln oder Stifte) an den Stellen eingearbeitet sind, an denen eine Implantation geplant ist (Abb. 5.1, 5.2). Diese Platte wird in den Mund des Patienten eingesetzt und die Röntgenaufnahme angefertigt (Abb. 5.3, 5.4).

Abb. 5.2:
Planungsschablone mit genormten Hülsen an den geplanten Implantationsstellen

Abb. 5.3:
Eingesetzte Planungsschablone vor dem Röntgenbild

Abb. 5.4:
Kugelmessaufnahme zur Planung der Implantatlängen
Da die Größe der Metallkörper, die auf der Aufnahme gut sichtbar sind, bekannt ist, kann aus dem Röntgenbild die zur Verfügung stehende Knochenhöhe sehr genau errechnet werden.
Mit der Entwicklung der Computertomographie (CT) und in jüngerer Vergangenheit der digitalen Volumentomographie (DVT) stehen Untersuchungsverfahren zur Verfügung, mit denen sehr viel einfacher und genauer das Knochenangebot vermessen werden kann. Von dem Patienten wird in einer Klinik oder Praxis, die über die entsprechenden Möglichkeiten verfügt, ein Spezialröntgenbild (DVT/CT) des Ober-, seltener des Unterkiefers, angefertigt. Dieses spezielle Röntgenbild dauert für einen Kiefer 20 Sekunden. Der große Vorteil liegt darin, dass der gesamte Kiefer durch den Computer in über 100 Schnitten abgebildet werden kann. Auf diesen Schnittbildern können Höhe und Breite des Knochens direkt abgemessen werden (Abb. 5.5).

Abb. 5.5:
Vermessen des Kiefers in mit speziellem Computerprogramm
Nach dem Überspielen der Daten auf den Praxiscomputer des Zahnarztes eröffnen sich weitere Möglichkeiten. Der Kiefer wird in verschiedenen Ebenen gleichzeitig dargestellt und damit eine räumliche Auswertung möglich. Neben der Vermessung des Kiefers kann die Knochenqualität durch Dichtemessungen beurteilt werden. Damit lässt sich z.B. eine bestimmte Knochenerkrankung, die Osteoporose, nachweisen bzw. ausschließen.
Am Praxiscomputer lassen sich Besonderheiten des jeweiligen Patienten herausarbeiten, wie z. B. die Beschaffenheit der Nasennebenhöhle. Hier können verschiedenen Knochenleisten (Abb. 5.6) oder Schleimhautveränderungen das Implantieren erschweren. Umso wichtiger ist es durch ein Computertomogramm diese Variationen vor der Implantation zu kennen. In den speziellen Programmen können bereits Implantationen simuliert werden (Abb. 5.7, 5.8).

Abb. 5.6:
Sternartige Knochenleisten in der Nasennebenhöhle

Abb. 5.7:
Implantations- simulation am PC

Abb. 5.8:
Implantatplanung
Dabei werden das Implantat, die richtige Länge und der geeignete Durchmesser ausgewählt. Entscheidend ist auch die Richtung, in der implantiert werden muss. Auch dies lässt sich bereits am Computer auf den Schnittbildern simulieren. Eine dreidimensionale Darstellung des Knochens und die Möglichkeit das äußere Profil zu zeigen, verdeutlichen den späteren Sitz der Implantate und die Beziehung zum Gegenkiefer, zur Kauebene, zu Wangen und Lippen lassen die spätere Versorgung kosmetisch vorhersehen (Abb. 5.9, 5.10). Eine Dichtemessung um die Implantate schließt die Planung ab.
Mit diesem Untersuchungsverfahren ist die Implantation auch bei schwierigen Situationen möglich und sehr sicher geworden.
Im Oberkiefer wird diese Untersuchung und Planung in unserer eigenen Praxis seit Jahren routinemäßig durchgeführt. Die erheblich verbesserten Ergebnisse rechtfertigen den Mehraufwand, die geringfügig höhere Strahlenbelastung der heutzutage modernen Geräte sowie die Kosten, die dadurch entstehen.

Abb. 5.9:
Dreidimensionale Darstellung der geplanten Implantate im knöchernen Anteil

Abb. 5.10:
Dreidimensionale Implantatplanung und Lagebeziehung zu Wangen und Lippen
In den meisten Fällen ist nach der Untersuchung und Planung noch eine Vorbehandlung notwendig. Zunächst wird routinemäßig eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt, um die Keimzahl in der Mundhöhle und in den Zahnfleischtaschen zu reduzieren (Abb. 5.11, 5.12). Anschließend sollten alle kranken Zähne, entzündetes Zahnfleisch oder auch Kiefergelenkerkrankungen behandelt werden. Die Planung der Einpflanzung sollte immer unter dem Gesichtspunkt der Sanierung des gesamten Gebisses erfolgen. Sie umfasst die Auswahl der geeigneten Implantate, ihre Anzahl und die genaue Position. Diese Vorbereitungen sind sehr wichtig, um nach der Einheilungszeit einen Zahnersatz anfertigen zu können, der die Wiederherstellung der Funktion und der Ästhetik gewährleistet.

Abb. 5.11:
Zustand vor professioneller Zahnreinigung

Abb. 5.12:
Recall 1 Woche nach der professionellen Zahnreinigung durch Prophylaxeassistentin
Bei der Auswahl des Implantatsystems, der genauen Größe der Implantate und der Anzahl der Pfeiler spielt das vorhandene Knochenangebot eine wichtige Rolle. Aus der Vielzahl von Implantaten wird der Zahnarzt solche auswählen, mit denen er persönlich bereits gute Erfahrungen gesammelt hat und die für die spezielle Situation geeignet sind. Die richtige Anzahl der Pfeiler hängt neben der Knochensituation von der Größe der Zahnlücke und der Anzahl der Zähne im Gegenkiefer ab. Die Position muss so gewählt werden, dass später die künstliche Krone Kontakt zu den Zähnen im Gegenkiefer hat und damit auch zum Kauen genutzt werden kann.
Für diese Planung werden häufig Modelle benötigt, für die entsprechende Abdrücke gemacht werden. Nach der Auswertung wird ein Aufklärungsgespräch notwendig, in dem das weitere Vorgehen und besondere Verhaltensmaßregeln genau erläutert werden. Hier sollten alle Fragen angesprochen werden, die bisher offen geblieben sind. In dem Aufklärungsgespräch sollten noch einmal verschiedene Konzepte mit Vor- und Nachteilen und den medizinischen Folgen angesprochen werden. In unserer Praxis wird der für den jeweiligen Patienten optimale Zahnersatz den Wünschen entsprechend herausgearbeitet. Gleichzeitig werden alternative Behandlungsmethoden aufgelistet und mit dem konventionellen Zahnersatz verglichen. Anschließend wird ein Kostenvoranschlag erstellt, der vor Behandlungsbeginn von den Krankenkassen und Beihilfestellen genehmigt sein muss.
Nach dem Eingriff darf der Patient für einige Tage nur flüssige, passierte oder sehr weiche Kost zu sich nehmen. Es empfiehlt sich, dafür bereits vor der Einpflanzung Sorge zu tragen. Um eine möglichst ungestörte Einheilung zu gewährleisten, sollten für 1 bis 2 Tage die Wangen oder das Kinn gekühlt werden. Entsprechende Kühlelemente sind ebenfalls vorzubereiten oder werden häufig auch nach der Behandlung mitgegeben. Am Implantationstag darf der Patient kein Kraftfahrzeug führen, sondern sollte in Begleitung in die Praxis oder Klinik kommen.
In jedem Fall muss die provisorische prothetische Versorgung angesprochen werden. In den meisten Fällen kann der vorhandene Zahnersatz sofort nach der Einpflanzung als Provisorium eingesetzt werden. Nur in besonderen Fällen, wenn z.B. gleichzeitig eine Verlagerung der Schleimhaut durchgeführt oder der Kiefer aufgebaut wird, ist dies nicht möglich. Hier muss erst die Wundheilung abgewartet werden, die unterschiedlich lange dauern kann. Eine ausführliche Beratung wird diese Problematik umfassen.
Bei der ersten Untersuchung in der Praxis hat Frau W. zunächst den Anamnesebogen ausgefüllt. Sie ist nie ernstlich krank gewesen und nimmt nur gelegentlich eine Kopfschmerztablette. In einem ausführlichen Gespräch berichtet sie ihrem Zahnarzt über die Schwierigkeiten mit den Prothesen. Nach einer ersten Untersuchung kann ihr der Zahnarzt Mut machen. Die Kieferverhältnisse sind zwar sehr ungünstig, doch so, dass eine Einpflanzung noch möglich ist. Die vorhandenen Prothesen weisen keine Mängel auf, finden aber keinen Halt. Beide Prothesen sollen nach der Einpflanzung weiter getragen werden. Nach einem Kieferabdruck wird eine Platte für den Unterkiefer angefertigt, auf der Metallkugeln befestigt sind. Sie wird wie eine Prothese eingesetzt, und es wird eine Röntgenaufnahme gemacht, die anschließend vom Zahnarzt genau vermessen wird. Es ergibt sich, dass noch eine Resthöhe von 15 mm vorhanden ist. Da auch die Breite des Kiefers ausreicht, wird ihr die Einpflanzung von vier künstlichen Zahnwurzeln empfohlen. Für ihre spezielle Kieferform ist dies die beste Lösung.
Für den Oberkiefer ist eine CT-Untersuchung notwendig, die ebenfalls mit einer Schablone durchgeführt wird. Auswertung, Planung und Implantations-Simulationen ergeben, dass sechs Implantate im vorderen Kieferabschnitt verankert werden können. Auch die Qualität des Knochens lässt eine Einpflanzung ohne weitere Maßnahmen zu. Diese Behandlung soll nach der Versorgung des Unterkiefers erfolgen.
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| 1. Haben Sie irgendwelche allgemeine Krankheiten? Wenn ja, welche? ................................................................................. | ja/nein* | |||
| 2. Waren Sie in den letzten 2 Jahren im Krankenhaus? Wenn ja, weshalb? ................................................................................. | ja/nein* | |||
| 3. Nehmen Sie ständig Medikamente? Wenn ja, welche? ................................................................................. | ja/nein* | |||
| 4. Besteht zur Zeit eine Schwangerschaft? ................................................................................. | ja/nein* | |||
| 5. Haben Sie eine der nachfolgend aufgeführten Erkrankungen? | ja/nein* | |||
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| 6. Neigen Sie zu Nachblutungen oder blauen Flecken? ................................................................................. | ja/nein* | |||
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Unsere Patientin fragt nach dem genauen Ablauf der Behandlung und nach der Höhe der Kosten. Die einzelnen Behandlungsschritte und die notwendige Vorbereitung werden erläutert, außerdem wird ein Kostenplan erstellt. Die Pfeiler sollen drei Monate unter der Schleimhaut einwachsen und dann Teleskopkronen und ein Steg angefertigt werden, auf dem die Prothese Halt findet. An einem Kiefermodell wird Frau W. die Art der Versorgung erklärt und das Einrasten der Prothese auf dem Steg gezeigt. Sie ist mit der vorgeschlagenen Behandlung einverstanden.
Im Wartezimmer hat sie sich eine Videokassette angesehen und Gelegenheit, sich zufällig mit einer anderen Patientin zu unterhalten, die bereits vor einigen Jahren auf diese Weise versorgt wurde. Frau W. interessieren vor allem der Halt der Prothese und eventuelle Schmerzen. Nach diesem Gespräch, das sie sehr zuversichtlich gestimmt hat, willigt sie in die vorgeschlagene Behandlung ein. Es wird ein Termin für die Einpflanzung vereinbart.
Zu den notwendigen Voruntersuchungen gehören:
In vielen Fällen wird eine Vorbehandlung notwendig. Sie umfasst:
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