J. Tetsch / P. Tetsch

Zahnärztliche
Implantate


Ein Ratgeber für Patienten

5. überarbeitete Auflage

6 Die Einpflanzung (Implantation)

Die Implantation kann in den meisten Fällen ohne Schwierigkeiten völlig schmerzfrei in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt werden und wird von den Patienten als sehr viel weniger unangenehm empfunden als eine Zahnentfernung oder andere zahnärztliche Behandlungen. Größere Eingriffe können auch ambulant in Vollnarkose durchgeführt werden. Für ein einzelnes Implantat wird mit einem kleinen Schleimhautschnitt die Knochenoberfläche freigelegt und in den Knochen ein Loch gebohrt, das genau der Größe der künstlichen Zahnwurzel entspricht. Dieses Bohren muss sehr vorsichtig unter sorgfältiger Kühlung erfolgen, da der Knochen möglichst wenig geschädigt werden darf. Wenn schraubenförmige Implantate verwendet werden, muss bei einigen Systemen ein Gewinde geschnitten werden. Das Implantat wird danach – ebenfalls sehr vorsichtig – in den Knochen eingesetzt. Das Innengewinde wird für die Dauer der Einheilung mit einer Schraube verschlossen und die kleine Schleimhautwunde durch Nähte versorgt, die nach 7–10 Tagen entfernt werden müssen.

Nach einer solchen Einpflanzung wird nach dem Abklingen der örtlichen Betäubung nur ein sehr geringer Wundschmerz auftreten, wenn sich der Patient an die Verhaltensmaßregeln hält (siehe Merkblatt). Eine Befragung und Auswertung einer großen Anzahl von Patienten hat gezeigt, dass durchschnittlich weniger als eine Schmerztablette eingenommen wird. 35% der Patienten benötigen überhaupt keine Schmerztabletten. Auch wenn mehr als ein Implantat eingesetzt wird, ist nicht mit einem wesentlich größeren Wundschmerz zu rechnen. Es verlängert sich aber die Zeit, die für die Implantation benötigt wird. Neben der vorsichtigen Bohrung für jeden einzelnen Pfeiler muss auch noch dafür gesorgt werden, dass diese möglichst parallel in den Kiefer eingebracht werden. Das erleichtert die spätere prothetische Versorgung. Je nach Art und Umfang des Eingriffes werden Medikamente verordnet und Kontrolltermine vereinbart. In jedem Fall muss eine Nachuntersuchung nach ca. einer Woche erfolgen, bei der in der Regel auch die Nähte entfernt werden. Dies bereitet keine Schmerzen.

Die eingesetzten Pfeiler liegen entweder unter der Schleimhaut oder sind bereits in der Mundhöhle sichtbar. Im letzteren Fall muss der vorhandene Zahnersatz so geändert werden, dass in der Einheilungszeit keine Belastung erfolgt. Zu diesem Zweck werden Prothesen so weit ausgeschliffen, dass kein Kontakt zu den Implantaten besteht. Dennoch muss der Patient in diesen Fällen besonders vorsichtig sein, da bereits das Spielen mit der Zunge in der Phase des Einwachsens zu Komplikationen führen kann.

Die Einheilungszeit beträgt für den Unterkiefer in der Regel ca. 2-3 Monate und für den Oberkiefer ca. 3-6 Monate. Erst dann kann sich die weitere Versorgung anschließen.

Unsere Patientin hat gut gefrühstückt und kommt in Begleitung ihres Mannes in die Praxis. Sie ist doch etwas ängstlich, beruhigt sich aber nach einem kurzen Gespräch mit dem Zahnarzt. Sie erhält im Unterkiefer auf beiden Seiten Spritzen, die zwar etwas unangenehm, aber doch erträglich sind. Sie führen dazu, dass beide Seiten – auch die Unterlippe – taub werden. Frau W. wird unterhalb des Kopfes mit einem Tuch bedeckt, der Zahnarzt und die Assistentinnen tragen sterile Kittel, Mundschutz und Handschuhe. Bei der Einpflanzung hat die Patientin keinerlei Schmerzen, sie spürt aber, dass gebohrt wird. Nach 20 Minuten ist alles überstanden. Es wird noch ein Röntgenbild angefertigt, ausführlich über das Verhalten in den nächsten Tagen gesprochen, Schmerztabletten mitgegeben und ein neuer Termin vereinbart.

Die Prothesen werden sofort wieder eingesetzt. Die untere Prothese darf aber in den ersten Tagen nach der Implantation nicht belastet werden. Daher wird flüssige Kost verordnet. Nach dem Eingriff tritt nur eine leichte Schwellung auf, da Frau W. die ganze Zeit gut gekühlt hat. Sie hat nur zwei Schmerztabletten eingenommen und berichtet ihrem Zahnarzt, dass sie sich alles viel schlimmer vorgestellt hatte.

Frau W. darf jetzt – 3 Tage nach der Implantation – weiche Kost essen. Nach 7 Tagen erfolgt die Nahtentfernung. An diesem Tag besteht kaum noch eine Schwellung. Die Nähte haben sie etwas gestört. Von der Nahtentfernung hat sie kaum etwas gespürt. Die Prothese wird geändert und den neuen Verhältnissen angepasst. Eine weitere Kontrolluntersuchung wird in 6 Wochen vereinbart.

Bei Einpflanzungen in örtlicher Betäubung sollte morgens gut gefrühstückt werden.

Wenn nicht anders verordnet, müssen alle Medikamente wie gewohnt eingenommen werden.

Häusliche Vorbereitung:
  • Bereitstellen von Kühlelementen,
  • Vorbereitung flüssiger bzw. weicher Nahrung,
  • Organisation der An- und Rückfahrt zur Praxis am Tag der Implantation.

Merkblatt für das Verhalten nach zahnärztlichen Implantationen

  1. Kein selbstständiges Führen eines Kraftfahrzeuges am Operationstag. Eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit!!!
  2. Die Wangenschwellung kann durch feuchtkalte Wan­genauflagen der operierten Seite (kalter Umschlag, Plastikbeutel mit Eisstücken, Kühlelemente) reduziert werden. Keine Wärme!!!
  3. Der Aufbisstupfer sollte nach 30 Minuten entfernt werden.
  4. Am Operationstag keinen Kaffee, keinen Alkohol, kein Nikotin.
  5. Keine Nahrungsaufnahme vor Abklingen der örtlichen Betäubung. In den ersten drei Tagen nur flüssige oder streng passierte Kost, so dass die Wunde nicht belastet wird.
  6. Am ersten Tag nicht spülen; am nächsten Tag Mundpflege mit lauwarmem Wasser, Kamillentee, Chlor­hexidinlösung, Meridol oder Wasserstoffsuperoxid (1‑Esslöffel einer 3%igen Lösung auf 1 Glas Wasser). Ab 3. Tag vorsichtiges Zähneputzen und weiterhin intensive Mundhygiene.
  7. Kleinere Nachblutungen können durch Druck mit einem­ gebügelten Taschentuch oder eventuell mitgegebenen Aufbisstupfern gestillt werden. Bei stärkeren Blutungen muss die Praxis aufgesucht werden.
  8. Bei Eintritt eines Wundschmerzes Einnahme von höchstens … Schmerztabletten. Die Fahrtauglichkeit ist bei höherer Dosierung und insbesondere bei zusätzlichem Alkoholgenuss erheblich herabgesetzt. Bei anhaltenden Schmerzen vorzeitige Wiedervorstellung.
  9. Belastungen von in die Mundhöhle ragenden Pfeilern müssen in der Einheilphase vermieden werden. Vorsicht beim Abbeißen und Kauen. Kein Spielen mit den Fingern oder der Zunge an den Pfeilern!
  10. Wiedervorstellung am: ................................................ Notfallnummer:................................................