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J. Tetsch / P. Tetsch
Zahnärztliche
Implantate
Ein Ratgeber für Patienten
5. überarbeitete Auflage
Im menschlichen Körper finden sich Eiweißstoffe (Proteine, BMP), die für die Knochenbildung verantwortlich sind. Sie sorgen dafür, dass bestimmte Zellen sich zu Knochenzellen umwandeln, die dann den Knochen produzieren. Seit einigen Jahren werden Untersuchungen mit diesen Stoffen durchgeführt. Sie haben zu sehr viel versprechenden Ergebnissen geführt. Allerdings ist ihr Einsatz mit gewissen Risiken verbunden und die Herstellung dieser Knochenwachstumsfaktoren sehr kostspielig. In den USA wurde ein Verfahren entwickelt, das diese Risiken nicht hat. Aus dem Blut des Patienten werden Blutplättchen (Thrombozyten) in konzentrierter Form gewonnen und zur Knochenbildung genutzt. Sie enthalten eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren, die auch die Knochenbildung günstig beeinflussen. Die Gewinnung eines plättchenreichen Plasmas (PRP-Verfahren) aus dem Blut ist relativ einfach und für den Patienten nicht belastend. Außerdem besteht praktisch kein Risiko, da es nur Substanzen enthält, die aus dem eigenen Blut gewonnen werden.
Sehr häufig finden sich im Seitenabschnitt des Oberkiefers ungünstige Knochenverhältnisse. Über dem Kiefer liegen die Kieferhöhlen. Bei Erkältungskrankheiten können sie in Form von „Nebenhöhlenvereiterungen“ mit betroffen sein. Mit einer Bucht ragen sie meist sehr weit in den Kiefer, sodass der Knochen hier sehr niedrig ist (Abb. 7.4 bis 7.6).

Abb. 7.4:
Durchschnittliches Knochenangebot im Oberkieferseitenzahnbereiches unterhalb der Nasennebenhöhle

Abb. 7.5:
Röntgenmeßaufnahme mit deutlich ausgeprägter Nasennebehöhle und geringer Restknochenhöhe

Abb. 7.6:
Eingefärbtes Bild zur Verdeutlichung der Kiefer- und Nasennebenhöhlenstrukturen
Man versucht in diesen Fällen ausreichend Knochen zu gewinnen, indem man in die Bucht der Kieferhöhle Knochen oder Knochenersatzmaterialien einpflanzt. Die Kieferhöhlen sind mit einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet. Die besonderen Schwierigkeiten bestehen darin, diese Schleimhaut vom Boden der Höhle zu lösen und anzuheben, ohne sie zu verletzen. Wenn das gelingt, kann man sehr sicher ein ausreichendes Knochenangebot gewinnen und die Einpflanzung künstlicher Zähne vornehmen (Abb. 7.7, 7.8).

Abb. 7.7:
Einzelzahnimplantat mit Sinusliftoperation

Abb. 7.8:
Deutliche Verknöcherung des eingelagerten Knochenaufbaumaterials
Dieser Eingriff wird als „Sinusbodenelevation“ oder „Sinuslift“ bezeichnet und ist heute bei erfahrenen implantologisch tätigen Zahnärzten ein Routine-Eingriff mit sehr guten Ergebnissen. Weitere Fortschritte werden in Zukunft mit der genetischen Zucht von Wachstumsfaktoren erwartet. Bis zur Praxistauglichkeit können die körpereigenen, weniger konzentrierten Faktoren aus venösem Eigenblut, Defektblut oder sind in Verbindung mit der Verwendung des plättchenreichen Plasmas (PRP-Verfahren) genutzt worden. Häufig wird der Sinuslift bei extrem gering ausgebildeten zahnlosen Oberkiefern (Abb. 7.9) verwendet, da diese Operationsmethode eine sehr elegante Methode ist, den Knochen in der Höhe zu verbessern, wenn in vorderen Kieferabschnitten kein ausreichendes Knochenangebot vorhanden ist. In den neu geschaffenen Knochen können ein- oder zweizeitig Implantate gesetzt werden, die zur Aufnahme von einem gaumenfreien Zahnersatz oder zur Stabilisierung einer Prothese dienen können (Abb. 7.10 bis 7.12).

Abb. 7.9:
Zahnloser Oberkiefer mit extrem geringem Knochenangebot

Abb. 7.10:
Zahnloser Oberkiefer mit Sinuslift und 6 Implantaten und 2 Unterkonstruktionen versorgt

Abb. 7.11:
Herausnehmbarer, gaumenfreier Zahnersatz (Ansicht von unten)

Abb. 7.12:
Eingesetzter Zahnersatz im extrem atrophierten Oberkiefer
Die Voruntersuchung und Planung müssen vor derartigen Maßnahmen sehr sorgfältig erfolgen, und das vorhandene Knochenangebot muss genau vermessen werden. Auch die Qualität des vorhandenen Knochens ist von Bedeutung. Bei Vorliegen von Kieferhöhlenerkrankungen sollten diese erst behandelt werden. Die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung bietet die Auswertung eines Computertomogrammes. Hier kann neben der Beurteilung der Situation auch die Menge des vorhandenen Ersatzmaterials bestimmt werden (Abb. 067).

Abb. 7.13:
Computergestützte CT-Planung des benötigten Volumens
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