J. Tetsch / P. Tetsch

Zahnärztliche
Implantate


Ein Ratgeber für Patienten

5. überarbeitete Auflage

8 Die prothetische Versorgung

Wenn der Zahnarzt seinen Patienten zur Implantation an einen Spezialisten überwiesen hat, kann er die weitere Behandlung durchaus selbst durchführen.

Nach der Einheilung müssen die Implantate, die unter der Schleimhaut liegen, eröffnet werden. Dies ist aber meistens nur eine sehr kleine Maßnahme, die wieder in örtlicher Betäubung durchgeführt wird (Abb. 8.1).

Abb. 8.1:
Freigelegte Implantate in einer Schaltlücke mit Einheilkappen versorgt

Bei oberen Frontzähnen wird mit bestimmten Freilegungstechniken das Zahnfleisch zur Lippe häufig noch etwas korrigiert. Die Freilegung bietet sich für die Maßnahme an, da zwangsläufig Zahnfleisch und Bindegewebe bei der Eröffnung anfallen (Abb. 8.2 bis 8.4). In die Implantate werden Einheilkappen oder Gingivaformer eingesetzt, damit es in der Abheilungsphase nicht zu einem erneuten Zuwachsen der Schleimhaut kommt.

Abb. 8.2:
Freilegung und Verbesserung des Zahnfleischrandes mit einem Rolllappen

Abb. 8.3:
Eingeschraubter Gingivaformer verhindert das Zuwachsen der Wunde

Abb. 8.4:
Perfekte Weichgewebsverhältnisse

Nach ca. 14 Tagen können die Abdrücke von den Implantaten für die Versorgung gemacht werden. Hierfür werden in die Innengewinde der Implantate Abformpfosten eingedreht, mit denen die Implantate exakt auf das Meistermodell des Zahntechnikers übertragen werden können (Abb. 8.5). Anschließend erfolgt die Abformung des gesamten Kiefers (Abb. 8.6). Nach Entnahme des Abdrucklöffels wird noch in der Praxis ein Laborimplantat in die Abformung eingesetzt und der perfekte Sitz überprüft (Abb. 8.7).

Abb. 8.5:
Eingeschraubte Abformpfosten in einem zahnlosen Unterkiefer

Abb. 8.6:
Abformung eines zahnlosen Oberkiefers mit 8 Implantaten

Abb. 8.7:
Eingeschraubte Laborimplantate werden auf Passgenauigkeit überprüft

Die Arbeiten, die der Zahntechniker anfertigt, sind sehr unterschiedlich und zum Teil äußerst kompliziert. Sie richten sich danach, in welchen Bereichen die Implantate eingesetzt wurden und welche Aufgaben sie übernehmen sollen. Häufig erfolgen von der Abformung der Implantate noch einige Sitzungen, die Gerüstanproben, Kieferrelationsbestimmungen, Kosmetikanproben etc. umfassen, ehe der neue Zahnersatz endgültig eingesetzt und auf Funktion getestet werden kann.

Für den zahnlosen Ober- und Unterkiefer werden dies häufiger Stegkonstruktionen oder Teleskopversorgungen sein (Abb. 8.8 bis 8.16).

Abb. 8.8:
Individueller Steg auf 4 Implantaten im zahnlosen Unterkiefer

Abb. 8.9:
Eingesetzter prothesenartiger Zahnersatz

Abb. 8.10:
Individueller Stahlsteg auf 4 Implantaten im zahnlosen Oberkiefer

Abb. 8.11:
Eingegliederter graziler, herausnehmbarer, gaumenfreien Zahnersatz

Abb. 8.12:
Zahnloser Oberkiefer mit 8 Implantaten und eingesetzter Unterkonstruktionen

Abb. 8.13:
Abnehmbare, grazile Brücke

Abb. 8.14:
Zahnloser Oberkiefer mit vier Teleskopen

Abb. 8.15:
Ansicht des Zahnersatzes von unten

Abb. 8.16:
Eingegliederter gaumenfreier Zahnersatz

Auch eine festsitzende zementierte oder verschraubte Brücke ist möglich (Abb. 8.17 bis 8.19). Hierbei muss eine günstige Lachlinie vorliegen und der Kieferschwund sollte noch nicht zu weit fortgeschritten sein. Die Zähne würden sonst sehr lang wirken, da die Zahnpositionen in die ehemalige Position der Zähne zurückgebracht werden muss. Langes Prothesentragen und entsprechender Knochenverlust erschweren besonders im Oberkiefer festsitzenden Zahnersatz. Sehr exakte Voruntersuchungen und präzise Implantatpositionen mit entsprechenden Knochenaufbaumaßnahmen sind häufig notwendig, um den Patienten diesen Wunsch zu erfüllen.

Abb. 8.17:
Verschraubte Brücke auf Implantaten im zahnlosen Oberkiefer (Modellansicht)

Abb. 8.18:
Verschraubte Brücke auf Implantaten im zahnlosen Oberkiefer (Frontalansicht)

Abb. 8.19:
Zufriedene Patientin nach Eingliederung des neuen Zahnersatzes (Lachlinie)

Auch andere Versorgungsformen sind möglich. So haben sich in bestimmten Fällen Druckknopftechniken wie  Locatoren (Abb. 8.20, 8.21), Kugelknöpfe oder Magnete bewährt. Dabei werden die Implantate mit unterschiedlichen Aufbauten versorgt, wobei jeweils das Sekundärteil in den herausnehmbaren, prothesenähnlichen Teil des Zahnersatzes eingearbeitet wird.

Abb. 8.20:
Vier schraubenförmige Implantate im zahnlosen Oberkiefer mit Locatoren versorgt

Abb. 8.21:
Zahnersatz mit den in die Prothese eingearbeiteten Sekundärteilen

Bei der verkürzten Zahnreihe oder bei größeren Zahnlücken kann eine Versorgung durch so genannte Verbundbrücken erfolgen (Abb. 8.22, 8.23). Dabei werden die künstlichen Pfeiler mit natürlichen Zähnen verbunden. Eine andere Lösung besteht in rein implantatgetragenen Konstruktionen, denen der Zahnarzt den Vorzug geben wird, wenn die noch vorhandenen Zähne gesund sind und deshalb geschont werden sollten (Abb. 8.24. 8.25).

Abb. 8.22:
Hybridbrücke auf 4 Implantaten und einem endständigen Zahn

Abb. 8.23:
Zementierte Brücke (Ansicht im Mund)

Abb. 8.24:
Rein implantatgetragener Zahnersatz in einer Oberkieferschaltlücke

Abb. 8.25:
Zementierte Brücke (Aufsicht)

In den meisten Fällen werden die Kronen oder Brückenteile in den Implantaten zementiert oder verschraubt. Der verschraubte Zahnersatz hat den Vorteil, dass er nach dem Herausdrehen der Schrauben abgenommen werden kann. So lassen sich die Implantate gut  kontrollieren und anfallende Reparaturen können leicht durchgeführt werden. Verschraubungen können auf der Kaufläche oder an die Innenseite gelegt werden. Schön ist eine nicht sichtbare Verschraubung. So werden die Schraubenkanäle auf der Kaufläche meistens mit zahnfarbendem Kunststoff geschlossen.  In älteren Systemen sind Stoßdämpfer eingebaut, die die Aufgabe haben, den Kaudruck zu dämpfen. Diese Verschleißteile müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Bei verschraubten Versorgungen kann dieses Auswechseln einfacher geschehen als bei zementierten.

Für Einzelzahnlücken werden entsprechende Einzelkronen hergestellt. Sie werden, wie bei natürlichen Zähnen auch, mit Zement auf den Implantaten befestigt oder vom Munde her verschraubt (Abb. 8.26, 8.27).

Abb. 8.26:
Kronenpfosten vor Eingliederung der Implantatkrone

Abb. 8.27:
Perfektes Ergebnis einer Einzelkrone eines oberen seitlichen Schneidezahnes

Nach 3 Monaten kommt Frau W. zur prothetischen Versorgung. Es wurde wieder ein Kostenplan erstellt. Die erste­ Behandlung besteht in der Eröffnung der Schleimhaut über den künstlichen Zahnwurzeln. Dies wird in örtlicher Betäubung vorgenommen, anschließend ein Abdruck gemacht und in jedes Implantat ein kleiner Pfosten eingeschraubt, der verhindern soll, dass sich die Schleimhaut wieder schließt. Der Zahnarzt hat die Prothese ausgeschliffen, sodass sie jetzt wieder eingesetzt werden kann. Frau W. spürt, dass sie jetzt schon einen besseren Halt hat. Bereits nach 3 Tagen ist die nächste Anprobe. Der fertige Steg wird eingesetzt. Nun werden nur noch die Halteklammern in die Prothese eingearbeitet. Dazu muss die Prothese einen Tag in das zahntechnische Labor. Am Abend ist es dann soweit. Die Prothese wird eingesetzt. Bereits beim ersten Versuch, sie herauszunehmen, bemerkt Frau W. den guten Halt. Eine Zahnarzthelferin zeigt ihr, wie der Steg und die Prothese gepflegt werden müssen. Die erste Kontrolle soll bereits nach 14 Tagen durchgeführt werden, um zu gewährleisten, dass alles richtig gemacht wird. In den ers­ten Tagen muss Frau W. noch etwas vorsichtig beim Essen­ sein, damit sich die künstlichen Zahnwurzeln an die neue Belastung anpassen können.