J. Tetsch / P. Tetsch

Zahnärztliche
Implantate


Ein Ratgeber für Patienten

5. überarbeitete Auflage

9 Implantatpflege

Es wurde schon darauf hingewiesen, dass für den Langzeiterfolg die Mundhygiene einen wesentlichen Beitrag leisten muss. Mindestens zweimal täglich sollten die Zähne und besonders die künstlichen Pfeiler gründlich gereinigt werden. Dabei ist der Bereich wichtig, in dem das Implantat durch die Schleimhaut tritt. Geringste Ablagerungen von Belägen (Plaque) oder Zahnstein (Abb. 9.1, 9.2) können bereits Entzündungen zur Folge haben und das Implantat gefährden. Jede Entzündung hat eine Taschenbildung der Schleimhaut zur Folge. Damit wird der dichte Abschluss um die Pfeiler aufgelöst. Bakterien und Speisereste können aus der Mundhöhle in die Tiefe gelangen und eine ernste Knochenentzündung hervorrufen. Dies führt zu einem Knochenabbau und schließlich zum Verlust der Implantate.

Abb. 9.1:
Massiver Zahnstein und Beläge an der Stegkonstruktion

Abb. 9.2:
Nach der Wartung wieder ein perfekt gereinigter Steg

Für die intensive Pflege stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung (Abb. 9.3 bis 9.6).

Abb. 9.3:
Hygienemittel

Abb. 9.4:
Prothesenpolisher, Prothesenreinigungsbürste

Abb. 9.5:
Reinigung eines Steges im zahnlosen Unterkiefer mit der Zahnbürste

Abb. 9.6:
Sortiment an Zahnzwischenraumbürsten unterschiedlicher Bürstenstärke

Zunächst werden Zähne und Implantate mit einer Zahnbürste und Zahnpasta von außen und innen ge­reinigt (Abb. 9.5). Auch der Einsatz elektrischer Zahnbürsten kann hier sinnvoll sein.

Zusätzlich müssen aber die Pfeiler zwischen den Zahnkronen oder den Stegelementen gesäubert werden. Dazu sind kleine Bürstchen geeignet, die von außen und innen zwischen den Zähnen und Implantaten hindurchgeführt werden (Abb. 9.6 bis 9.9).

Abb. 9.7:
Reinigung mit einem Zahnzwischenraumbürsten

Abb. 9.8:
Reinigung mit verschiedenen Zahnzwischenraumbürsten

Abb. 9.9:
Zahnzwischenraumbürsten mit langem Handgriff für die hinteren Zähne

Diese Bürsten werden als Zahnzwischenraumbürsten oder Interdentalbürsten bezeichnet; sie sind Einmalartikel oder mit austauschbaren Ansätzen erhältlich. Sie können natürlich nur dann eingesetzt werden, wenn die Kronen und Brücken so gearbeitet wurden, dass ein genügend großer Zwischenraum vorhanden ist.

Etwas schwieriger zu handhaben sind Zahnseide oder Superflossfäden, die in die Zwischenräume eingefädelt werden und durch Hin- und Herbewegen die Pfeiler in den kritischen Bereichen sehr gut reinigen (Abb. 9.10, 9.11).

Abb. 9.10:
Zahnseide, Superfloss und Spezialfloss

Abb. 9.11:
Stegreinigung mit Superfloss

Als weiteres Hilfsmittel sind Mundduschen empfehlenswert, bei denen mit einem pulsierenden Wasserstrahl die Zwischenräume durchspült werden. Sie sollten nach der mechanischen Reinigung verwendet werden, um abgelöste Belagreste zu entfernen.

Auch auf chemischem Wege lassen sich Beläge lösen. Dazu werden spezielle Mundspüllösungen angeboten.

Schließlich kann der Erfolg der Pflegemaßnahmen durch Färbelösungen oder -tabletten überprüft werden (Plaquefärber). Unzureichend gereinigte Bezirke werden durch das Anfärben sichtbar gemacht. Sie müssen anschließend noch einmal gezielt geputzt werden.

Wenn diese Maßnahmen täglich konsequent und sehr gewissenhaft durchgeführt werden, kann mit einem langfristigen Erfolg gerechnet werden. Sie erfordern allerdings viel Selbstdisziplin, die aber im eigenen Interesse aufgebracht werden muss.

Sinnvoll ist eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung durch eine zahnmedizinische Prophylaxeassistentin oder Dentalhygienikerin (ZMP oder DH). Individuell werden je nach gewissenhafter Pflege eng- oder weitmaschigere Kontrollen und Reinigungen empfohlen.

Frau W. ist ganz begeistert von dem sicheren Halt der Prothese. Sie hat sich fest vorgenommen, durch eine sehr gute Pflege dafür zu sorgen, dass die künstlichen Pfeiler lange halten. Morgens und abends reinigt sie den Steg mit der Zahnbürste, den Zahnzwischenraumbürs­ten und dem Superflossfaden. Diesen führt sie mit einem versteiften Ende unter den Steg und fädelt dann um die Pfeiler. Abends spült sie dann noch mit der Munddusche. Die Prothese reinigt sie mit einer Handbürste und im Bereich der Halteklammern mit einer Zahnbürs­te. Für ihr Badezimmer hat sie sich ein Schild gemalt: „Implantate brauchen viel Pflege!“ So wird sie jeden Tag an die notwendige Mundhygiene erinnert.

Der sichere Halt der Unterkieferprothese hat Frau W. veranlasst, auch die Implantationen im Oberkiefer durch­führen zu lassen. Die Einheilzeit beträgt hier allerdings sechs Monate, da der Knochen weicher (spongiöser) ist als im Unterkiefer. Es wurden sechs Implantate eingesetzt und nach der Einheilzeit durch einen Steg versorgt. Der Zahnersatz hat jetzt die Form einer Brücke, muss aber täglich zur Pflege der Unterkonstruktion he­rausgenommen werden (abnehmbare Brücke). Frau W. ist besonders glücklich darüber, dass der Gaumen nicht mehr bedeckt ist und dass sie den Zahnersatz auch bei einer eventuell notwendigen Narkose im Mund  lassen darf.

Langzeiterfolg

Eine gute Implantatpflege ist der wichtigste Beitrag für einen Langzeiterfolg!!