ParoCheck®

Allgemeines

Parodontalerkrankungen sind Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontiums). Die Entstehung und Progression parodontaler Entzündungsprozesse sind in der Regel auf eine Verschiebung des mikrobiellen Keimspektrums in der Mundhöhle, speziell im subgingivalen Bereich zurückzuführen.

Eine solche Entzündung (auch Inflammation genannt) ist immer die Antwort eines Lebewesens auf äußere oder innerlich ausgelöste Reize (z.B. Druck, Verletzungen, Fremdkörper, biologische Reize durch Mikroorganismen, etc.). Entzündungen dienen dazu solche Reize zu beseitigen, die Ausbreitung zu unterbinden und möglicherweise aufgetretene Schäden zu reparieren.

Bei Anwesenheit der bereits erwähnten parodontopathogenen Bakterien (= biologischer Reiz) kommt es zur Auslösung starker Entzündungsreaktionen, was schließlich zu dem für eine Parodontitis charakteristischen Bindegewebs- und Knochenabbau führt. Aber auch das Einbringen eines Implantats ist für den Körper ein Reiz, auf welchen er mit Entzündungsreaktionen reagieren kann (Periimplantitis).

Bestimmte Bakterien, die sich in der Tiefe von Zahntaschen entwickeln, sind eng mit der Ausbildung einer (progressiven) Parodontitis assoziiert und werden deshalb als Leitkeime bezeichnet. Neben dem Vorliegen dieser parodontopathogenen Bakterien wird auch eine vorübergehende Schwächung des Immunsystems (ausgelöst durch z.B. schlechte Mundhygiene, Stress, Rauchen, Medikation, virale oder bakterielle Infektion, etc.) als eine mögliche Ursache einer parodontalen Entzündung diskutiert. Zusätzlich spielt bei der Ausbildung aggressiver Parodontiden die genetische Disposition des Patienten eine wesentliche Rolle.

Es wurde außerdem in zahlreichen klinischen Untersuchungen gezeigt werden, dass diese Bakterien ein Risiko für die allgemeine Gesundheit der Patienten darstellen (erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, Infektionen des Respirationstraktes, Diabeteskomplikationen, Frühgeburten und untergewichtige Neugeborene).

1. Parodontitis und parodontitisassoziierter Keime

Indikation für eine Keimbestimmung

Die DGP/DGZMK empfiehlt in ihrer Stellungnahme die mikrobiologische Diagnostik bei den folgenden Parodontitisformen:

  • Aggressive Parodontitis
  • Schwere chronische Parodontitis
  • Parodontiden, die trotz Therapie progrediente Attachmentverluste aufweisen
  • Parodontalabszess mit Tendenz zur Ausbreitung in die benachbarten Logen, Fieber und/oder ausgeprägter Lymphadenopathie
  • Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis oder Parodontitis mit ausgeprägter Allgemeinsymptomatik
  • Mittelschwere bis schwere Parodontitis bei systemischen Erkrankungen bzw. bei Schwächung des Immunsystems.

Die Identifizierung der Leitkeime bildet die Grundlage für einen schnelleren Behandlungserfolg, da eine gezielte Therapie möglich wird. Die Patienten sind zufrieden, da sich schnell merkliche Erfolge einstellen. Die Ausgaben für die Identifizierung der parodontopathogenen Leitkeime sind vergleichsweise, wenn sie den drohenden Ausgaben für frühzeitigen Zahnersatz und den oben genannten Gefahren für die allgemeine Gesundheit gegenübergestellt werden.

Therapie von Parodontalerkrankungen

Ziel der Parodontalbehandlung ist es parodontalpathogene Bakterien aus den infizierten Geweben dauerhaft zu eliminieren.

Die hohe Rezidivrate nach konventioneller Parodontitis-Behandlung (sorgfältiges mechanisches oder chirurgisches Vorgehen) hat gezeigt, dass rein mechanische Maßnahmen für einen dauerhaften Therapieerfolg häufig nicht ausreichen. Es ist daher unbestreitbar, dass neben der mechanischen Therapie adjuvante Antibiosen die Therapie gerade bei aggressiven marginalen Parodontitiden nachhaltig optimieren können.

Die Auswahl und der Einsatz geeigneter Antibiotika im Rahmen einer Parodontitis-Behandlung setzt eine möglichst genaue Kenntnis über die Zusammensetzung des Keimspektrums voraus, da die einzelnen Arten gegen unterschiedliche Antibiotika empfindlich sind. Viele Therapieversager und die Ausbreitung bakterieller Resistenzen unterstützen diese Tatsache.

Mit ParoCheck® besteht die Möglichkeit ein breites Spektrum parodontal-pathogener Bakterien zu erfassen und die Antibiotikaauswahl gezielt auf das individuelle Keimspektrum des Patienten abzustimmen.

Generell sollte bei der Applikation von Antibiotika in der Parodontitistherapie beachtet werden, dass diese nur in Verbindung mit einem supra- und subgingivalen Debridement sinnvoll sind. Die temporäre Desintegration des Biofilms ist eine wichtige Voraussetzung, um eine optimale Wirkung des Antibiotikums zu erzielen. Antibiotika sind also in der Parodontitistherapie als Unterstützung und nicht als Ersatz von supra- und subgingivalem Debridement anzusehen.

2 Genetischer Risiko-Test

Erbliche Parodontitisneigung und Risiko für Implantatkomplikationen

Zwischen dem Verlauf einer Entzündungsreaktion im Zuge einer Parodontitis oder einer Periimplantits und einer bestimmten genetischen Konstellation eines Patienten besteht ein Zusammenhang.

Jede Immunantwort wird reguliert durch die Abfolge entzündungsfördernder und entzündungshemmender Signalstoffe.

Eine wichtige Rolle spielen hierbei das entzündungsfördernde Interleukin 1 (kurz: IL-1) und der Entzündungshemmer Interleukin-1-Rezeptorantagonist (kurz: IL-1RN). Dieser tritt in Konkurrenz zu IL-1 tritt und neutralisiert dessen entzündungsaktivierende Wirkung somit. Es liegt somit zwischen beiden ein Gleichgewicht vor.

Liegt bei einem Patienten jedoch eine ungünstige genetische Disposition (Polymorphismus) vor, wird ein entzündungsfördernde IL-1 verstärkt produziert. Dies hat eine verstärkte Entzündungsreaktion zur Folge, da der IL-1RN nicht mehr ausreichend entgegen wirken kann. Liegt bei einem Patienten auch eine veränderte Gen-Variante des IL-1RN vor, die eine verminderte genetische Entzündungshemmung bedingt, kann IL-1 seine entzündungsfördernde Wirkung noch stärker ungehemmt entfalten und es kommt zu einer so genannten überschießenden immuninflammatorischen Reaktion, die mittel- bis langfristig zum Abbau des parodontalen Bindegewebes und Knochens oder zum Implantatverlust führt.

Die äußeren Faktoren, die zu einer Entzündung (ob nun durch parodontopathogene Bakterien oder das Einbringen eines Implantats, etc.) führen, kann der Patient weitestgehend beeinflussen, die genetische Veranlagung hingegen ist nicht beeinflussbar. Daher kann ein Patient auch z.B. trotz einer sehr guten Mundhygiene und einer geringen parodontopathogenen bakteriellen Belastung schwer an einer Parodontitis erkranken. Vor allem bei Rauchern ist die Durchführung von aufwendigen Sanierungen mit einem erhöhten Risiko eines Implantatverlusts behaftet, wenn eine entsprechende genetische Veranlagung vorliegt. Somit reagiert jeder Mensch aufgrund seiner genetischen Veranlagung auf ein und denselben Reiz individuell stark.

Die Kenntnis des genetischen Risikos ermöglicht in Kombination mit der individuellen parodontopathogenen bakteriellen Belastung und unter Einbeziehung anderer exogener Risikofaktoren (v.a. Rauchen, schlechte Mundhygiene, Stress, etc.) eine fundierte Prognose, denn die Summe der genannten Faktoren bestimmt das Risiko für die Entwicklung einer Parodontitis bzw. für einen Implantatverlust. Bei einer Therapieentscheidung sollten daher alle genannten Risikofaktoren einbezogen werden.

Im Falle einer Parodontitiserkrankung sollten sich der genetische Risikotest und die mikrobiologische Untersuchungen (parodontopathogenes Keimspektrum mittels ParoCheck®) gegenseitig ergänzen, um eine effiziente Behandlungsplanung zu ermöglichen und ein hilfreiches Mittel für die individuelle Betreuung des Patienten zu haben.

Sollte der Test vor aufwendigen implantologischen Sanierungen durchgeführt werden, kann das Risiko von Komplikationen oder eines Verlustes vor dem Einbringen abschätzt werden und im Vorfeld geeignete Maßnahmen getroffen werden, um dies zu vermeiden!

Indikation für einen genetischen Risiko-Test

Der Test dient der Erstellung und Optimierung von Prophylaxe- und Therapieplänen und zur Verlaufsprognose

  • bei aggressiver, therapieresistenter Parodontitis
  • bei Parodontitiden, die trotz vorangegangener Therapie fortschreitende Attachmentverluste aufweisen
  • bei juveniler Parodontitis
  • bei mittelschweren bis schweren Verlaufsformen chronischer Parodontitis
  • etc.

Außerdem kann der Test eingesetzt werden

  • bei familiärer Häufung von Parodontalerkrankungen (Patienten und ihr Kinder)
  • zur Risikoeinschätzung vor aufwendigen implantologischen Sanierungen (v.a. bei Rauchern)

3. Nachweis des bakteriellen Keimspektrums und Untersuchung der genetischen Disposition zur Parodontitisneigung und für Implantatkomplikationen

Die Keimbestimmung mittels ParoCheck® sowie der Untersuchung der genetischen Disposition zur Parodontitisneigung und für Implantatkomplikationen wird im Labor der arrows biomedical Deutschland GmbH in Münster mittels hochmodernen molekularbiologischen Methoden durchgeführt.

Durchführung einer Keimbestimmung mittels ParoCheck®

ParoCheck® ermöglicht die Diagnostik von 10 bzw. 20 Bakterienstämmen im Mund-Zahnbereich. ParoCheck® ist der erste DNA-Biochip/Microarray, mit dem ein erweitertes Bakterienspektrum simultan qualitativ nachgewiesen werden kann. Die erlaubt eine wesentlich schnellere und exaktere Auswertung vorhandener parodontalpathogener Bakterien in der Probe.

Parocheck® 10    
Roter Komplex:
Porphyromonas gingivalis
Tannerella forsythia

Treponema denticola
Oranger Komplex:
Campylobacter rectus/showae
Fusobacterium nucleatum ssp.

Peptostreptococcus micros
Prevotella intermedia
Blauer Komplex
(Actinomyceten):

Actinomyces viscosus


Grüner Komplex:
Actinobacillus
actinomycetemcomitans,
Eikenella corrodens

 

Parocheck® 20    
Roter Komplex:
Porphyromonas gingivalis
Tannerella forsythia
Treponema denticola


Grüner Komplex:
Actinobacillus
actinomycetemcomitans

Eikenella corrodens
Campylobacter concisus
Capnocytophaga sp.
Oranger Komplex:
Campylobacter rectus/showae
Campylobacter gracilis
Fusobacterium nucleatum ssp.
Peptostreptococcus micros
Prevotella intermedia

Prevotella nigerscens
Streptococcus constellatus
Gruppe

Eubacterium nodatum
Blauer Komplex
(Actinomyceten):

Actinomyces viscosus


Violetter Komplex:
Veillonella parvula
Actinomyces odontolyticus


Gelber Komplex
(Streptokokken):

Streptococcus mitis Gruppe,
Streptococcus gordonii Gruppe

 

Das Untersuchungsmaterial wird direkt aus eine Probe der subgingivalen Plaqueflora von erkrankten Parodontiden benötigt.

Sterile Papierspitzen werden mit Hilfe einer sterilen Pinzette in die interessierenden Sulkus-/Taschenbereiche möglichst bis zum Fundus eingeführt und dort etwa 15 Sekunden belassen. Nach der Probenentnahme werden die Papierstreifen an das Labor gesendet und dort das Keimspektrum untersucht.

Durchführung des genetischen Risiko-Tests

Als Untersuchungsmaterial werden Zellen eines Wangenabstrichs benötigt, die vom Zahnarzt mittels eines sterilen Wattetupfers vollkommen schmerzfrei aus der Innenseite der Wange abgenommen werden.

Genetische Daten von Patienten unterliegen selbstverständlich dem Datenschutz und die erhobenen Befunde werden lediglich an den behandelnden Arzt weitergegeben. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen!

Der IL-1-Test ist kein diagnostischer Test. Er fungiert lediglich als wichtiges prognostisches Hilfsmittel. Das Testergebnis muss immer in Verbindung mit dem aktuellen Status des Patienten interpretiert werden.

Kostenübernahme

Die Tests sind sinnvoll, werden jedoch nicht unbedingt von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet. Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht verpflichtet und berechtigt hieraus entstandene Kosten zu erstatten. Der Rechnungsbetrag für die Laboruntersuchung ist dementsprechend vom Patienten zu tragen. Viele Private Krankenkassen erstatten hingegen die Kosten für den Test.